Schwangerschaftsratgeber

 

Bei Verdacht schnell zum Zahnarzt

Schwangere, die Zahnfleischbluten oder Schwellungen des Zahnfleisches feststellen, sollten deshalb unbedingt einen Zahnarzt aufsuchen, damit dieser die nötigen therapeutischen Maßnahmen einleiten kann. Denn: Auch für die gesunde Entwicklung des Kindes können Zahnfleischentzündungen zur Gefahr werden. Studien geben Hinweise darauf, dass Frauen, die an einer Parodontitis erkrankt sind, ein deutlich erhöhtes Risiko haben, eine Frühgeburt zu erleiden oder ein untergewichtiges Kind zur Welt zu bringen. Eine mögliche Erklärung: Bakterielle Entzündungsbotenstoffe gelangen in die Blutbahn, wodurch vorzeitige Wehen ausgelöst werden können.

Besser ist es natürlich, jegliche Komplikationen im Vorfeld der Schwangerschaft zu vermeiden. Bei einer geplanten Schwangerschaft sollten notwendige Behandlungen im Vorfeld durchgeführt werden. Wer unvorhergesehen schwanger wird, sollte möglichst früh einen Vorsorgetermin in der Zahnarztpraxis vereinbaren. Vorbeugende Maßnahmen kann der Zahnarzt im ersten Schwangerschaftsdrittel durchführen, umfangreiche Behandlungen sollten erst ab dem vierten Schwangerschaftsmonat wieder einsetzen. Ausgedehnte Behandlungen und größere chirurgische Eingriffe sollten auf die Zeit nach der Geburt verschoben werden. Dennoch sind natürlich Schmerzbehandlungen im Notfall jederzeit durchführbar.

 

Zahnproblemen vorbeugen

Schwangere sollten außerdem auf eine sorgfältige Mundhygiene achten. Hierbei spielt die tägliche Pflege der Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten eine wichtige Rolle. Oftmals kann die Reinigung der hinteren Zähne (besonders im Oberkiefer) vor allem zu Beginn der Schwangerschaft Brechreiz auslösen. Betroffene sollten trotzdem behutsam putzen – möglichst nicht auf nüchternen Magen. Es kann hilfreich sein, eine Zahnbürste mit einem kleinen Kopf und weichen Borsten zu verwenden. „Für die tägliche Mundpflege eignet sich eine fluoridhaltige Zahnpasta besonders gut“, so Prof. Dietmar Oesterreich von der Initiative proDente. Unter Umständen können antibakterielle Wirkstoffe das Plaquewachstum verringern. Damit wird hormonellen Zahnfleischentzündungen vorgebeugt.

 

Was tun bei Erbrechen?

Manche Frauen müssen gerade zu Beginn der Schwangerschaft häufig erbrechen. Die Magensäure greift den Zahnschmelz an. Deshalb ist es ratsam, direkt nach dem Erbrechen den Mund mit Wasser auszuspülen und mindestens eine halbe Stunde mit dem Zähneputzen zu warten. Sonst putzt man sich den angegriffenen Zahnschmelz weg.

 

Mundschleimhautwucherung

Ab dem dritten Schwangerschaftsmonat treten zum Teil auch Wucherungen des Zahnfleisches in Erscheinung. Hormonelle Faktoren und lokale Reize wie Zahnstein oder überstehende Kronen- oder Füllungsränder können diese als Schwangerschaftsepulis bezeichnete Schleimhautwucherung hervorrufen. Extreme Wucherungen müssen chirurgisch entfernt werden. Zum größten Teil ist dies aber nicht notwendig, da eine gute Mundhygiene und die Entfernung von lokalen Reizfaktoren die Beschwerden meist beheben.

 

Betäubungsspritze während der Schwangerschaft?

Schwangere Patientinnen müssen auf eine lokale Betäubung bei Zahnbehandlungen nicht verzichten. Der für zahnärztliche lokale Anästhesien häufig verwendete Wirkstoff Articain kann in der Schwangerschaft nach einer Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Zahnarzt eingesetzt werden. Adrenalin ist als blutgefäßverengender Zusatz in geringen Konzentrationen möglich. Grundsätzlich sollten in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft nur unbedingt notwendige Behandlungen vorgenommen werden.

 

Auf die Ernährung achten

In der Schwangerschaft ändert sich häufig das Essverhalten – es besteht ein verstärkter Appetit auf Süßes und Saures. Das bedeutet erhöhtes Kariesrisiko für die Zähne. Außerdem wird die Spül- und Schutzwirkung des Speichels durch die Schwangerschaftshormone vermindert. Die Speichelproduktion wird herabgesetzt und der Speichel wird zähflüssiger. Es empfiehlt sich deshalb, den Speichelfluss durch intensives Kauen, z.B. von zuckerfreien Kaugummis oder von rohem Obst oder Gemüse, anzuregen. Außerdem sollte man bei Süßigkeiten trotz aller Heißhungerattacken Maß halten und auf eine ausgewogene vitamin- und mineralstoffreiche Ernährung achten.

Seit Anfang der 90er-Jahre weiß die zahnmedizinische Forschung um den Zusammenhang zwischen Zahnfleischerkrankungen (Parodontalerkrankung) und dem erhöhten Risiko von Frühgeburten bzw. Neugeborenen mit unterdurchschnittlichem Geburtsgewicht. Unklar war indes, wie sich eine Erkrankung des Zahnfleisches auf die Gebärmutter und das sich entwickelnde Kind auswirken kann. Denn die Gebärmutter schützt das werdende Leben erstaunlich stark vor gefährlichen Prozessen im Körper der Mutter. Sie entwickelt gleichsam einen „Körper im Körper“. Gynäkologen sprechen in diesem Zusammenhang auch von der „Plazentasperre“.

Auch wenn letzte Klarheit nach wie vor nicht gegeben ist: Wissenschaftler in Europa, den USA und in Japan sind sich einig, dass für Frühgeburten und untergewichtige Neugeborene jene Stoffe mitverantwortlich sind, die von den Bakterien gebildet werden, die die Parodontalerkrankung auslösen. Der Parodontologe Dr. Matthias Folwaczny, Privatdozent und Oberarzt an der Universitätszahnklinik München, sagt: „Im Wesentlichen sind das sogenannte Endotoxine, giftige Bestandteile der Bakterienzellen, die Zahnfleischentzündungen verursachen, und sogenannte Zytokine. Das sind wiederum Signalstoffe, die die Abwehrkräfte des Körpers, das eigene Immunsystem also, beim Kampf gegen die schädlichen Bakterien erzeugen.“ Diese Stoffe gelangen in den Blutkreislauf der Mutter und belasten bei entsprechender Konzentration auch die Blutversorgung der Plazenta und damit die Entwicklung des ungeborenen Kindes. Dies kann dann zu vorzeitigen Wehen und damit zu Frühgeburten führen. Die Folgen für das zu früh geborene Kind sind bekannt: in der Regel deutlich verzögerte körperliche Entwicklung und erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten.

  

 

Quelle: proDente e.V.

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